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die Frage: Wie klingt eine lebenswerte Arbeitsumgebung?

Florian Käppler ist Professor für Musikdesign und Gründer von Klangerfinder, dem Stuttgarter Atelier für auditive Kommunikation. Als Soundstratege, Komponist und Klangszenograph initiierte er vielfach ausgezeichnete Projekte im Spannungsfeld zwischen Kultur, Technologie und Wirtschaft.

„Der Naturforscher Lorenz Oken sagte bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts: „Das Auge führt den Menschen in die Welt, das Ohr führt die Welt in den Menschen.“ Unsere Ohren hören bereits mehrere Monate vor der Geburt – und danach, ohne Pause, unser ganzes Leben lang. Auch wenn wir schlafen, hören wir. Wir können die Augen schließen oder wegsehen, weghören können wir nicht. Wir sind also dem endlosen und – in Zeiten von Digitalisierung und unbegrenzter Mobilität – stark anwachsenden Strom von akustischen Reizen nahezu hilflos ausgeliefert.

Selbst wenn unser Gehirn viele Klänge „ausblenden“ kann, so wirken diese doch unbewusst und auf vielfältige Weise auf uns ein. Die akustische Welt in der wir leben, hat dadurch großen Einfluss auf unsere Gesundheit, unser Verhalten und auf unsere Produktivität.

Moderne Großraumbüros sind häufig visuell perfekt gestaltet, gleichzeitig aber akustische Krisengebiete: Bürolärm senkt die Produktivität um bis zu zwei Drittel. Neben starken Konzentrationsstörungen werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, die Blutgefäße verengen sich und das vegetative Nervensystem wird stark beeinträchtigt. Druckergeräusche, mobile Endgeräte, Apps, ständiges Telefonklingeln, die Unterhaltung des Sitznachbarn oder das lärmende Aufschäumen eines Cappuccinos in der – natürlich offenen – Büroküche sind dafür ebenso verantwortlich wie fehlende raumakustische Maßnahmen. Dabei wäre ganz einfach Abhilfe zu schaffen. Zur Optimierung bestehender Arbeitsumgebungen eignen sich beispielsweise günstige schallabsorbierende Akustikmodule, textile Bodenbeläge oder Polstermöbel. Aber auch der aktive Einsatz von eingespielten Raumklängen kann auf besonders positive Weise die Wirkung eines Raumes beeinflussen. So haben ruhige, der Natur nachempfundene Klänge deutliche Auswirkungen auf die Aufenthaltsqualität und auf das Wohlbefinden der Menschen, ohne dass sie diese Sounds überhaupt bewusst wahrnehmen. Angenehme, beruhigende Klänge führen dazu, dass wir leiser und behutsamer miteinander sprechen. Paradoxerweise kann also das zusätzliche Einspielen von geeigneten Klängen zu einer objektiv reduzierten Geräuschkulisse verhelfen.

Schon diese wenigen Beispiele zeigen, wie groß die Möglichkeiten sind, unser Leben und unser Arbeiten durch Klang ruhiger und menschengerechter zu gestalten. Es ist an der Zeit, ein stärkeres Verantwortungsbewusstsein für unsere akustische Umwelt zu entwickeln und dem stetig steigenden „Noise Level“ unserer technisierten und digitalisierten Lebenswelt eine achtsamere Kultur – im Sinne einer nachhaltigen akustischen Ökologie – entgegenzusetzen.“

www.klangerfinder.de

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