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die Frage: Wie anpassungsfähig muss Design sein?


Prof. Dr. Werner Sobek, Leiter des Instituts für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren ILEK, Universität Stuttgart

Design ist nicht nur Ästhetisierung der äußeren Erscheinung. Es ist es viel mehr funktionale Farb- und Formgebung sowie Auswahl geeigneter Materialien mit dem Ziel optimaler Funktionserfüllung bei gleichzeitig bewusster und gekonnter Gestaltgebung. Auf die gebaute Umwelt bezogen bedeutet dies, dass nicht nur die  Gebäudegeometrie und die Fassaden „designed“ werden können, sondern auch Stützen, Träger oder Decken, also vordergründig als „rein funktional“ eingeordnete Bauteile. Doch muss Design auch anpassungsfähig, wandelbar sein?

In Zeiten des Klimawandels und einer wachsenden Weltbevölkerung wird es zunehmend wichtig, ein dadurch verändertes Anforderungsspektrum zu berücksichtigen. Bereits 2050 wird die Weltbevölkerung auf ca. 9,8 Mrd. Menschen angestiegen sein. Dies wird den Verbrauch an natürlichen Ressourcen, das Entstehen von gasförmigem Abfall sowie von Bauschutt und Bauabfällen erheblich beschleunigen. Durch immer extremer werdende Wetterlagen werden gleichzeitig die Fassaden und die tragenden Teile (Tragwerk) eines Bauwerks immer mehr belastet. Spätestens jetzt geht es nicht mehr nur um eine Ästhetisierung des Erscheinungsbildes, sondern um die konsequente Verbindung von Funktionalität, minimiertem Materialverbrauch, minimiertem Abfallvolumen, recyclinggerechter Konstruktion  und natürlich um Ästhetik. Da der Bausektor der größte Verbraucher von Ressourcen ist, wird die Entwicklung und die bauliche Umsetzung von anpassungsfähigen Gebäudehüllen, also der Dach- wie der Fassadenflächen, im Sinn einer Anpassbarkeit der physikalischen Eigenschaften dieser Bauteile zunehmend wichtig. Anpassbare, auch als adaptiv bezeichnete Gebäudehüllen haben einen variablen Lichtdurchgang, eine variable Schallabsorption, eine variable Atmungsaktivität und vieles andere mehr. Sie können sich dadurch in idealer Weise an veränderte Umgebungsbedingungen und Anforderungen anpassen. Dabei verändern sie teilweise ihre äußere Erscheinung, ihr „Design“.

Adaptive Hüllen und Strukturen für die gebaute Umwelt von morgen werden im gleichnamigen Sonderforschungsbereich 1244 der Universität Stuttgart mit finanzieller Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erforscht.  Adaptivität in Gebäuden bietet viele Anwendungsfelder, wie beispielsweise in Tragstrukturen in Form von adaptiven Deckensystemen. Diese können bei stark veränderlichen Nutzlasten (z.B. Umzug einer Bibliothek, Verlagerung sehr schwerer Lasten) zum Einsatz kommen und damit eine maximale Flexibilität der Nutzung ermöglichen. Auch bei starken Wettereinflüssen wie Sturm, Schnee, oder bei Erdbeben, kann die gesamte Baustruktur mittels adaptiver Elemente auf unmittelbar auftretende Extrembedingungen reagieren. Dabei bleibt die Struktur schlank und somit ressourcenschonend, da der massive Charakter durch die Adaptivität kompensiert werden kann.

Das Design sollte also einen möglichst hohen Grad an Anpassungsfähigkeit abdecken, um optimal auf zukünftige Bedingungen und Bedürfnisse reagieren zu können. So können die Herausforderungen für ein nachhaltiges morgen schon heute angegangen werden.

www.ilek-uni-stuttgart.de


Bild: © A. T. Schaefer

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