die Frage: Herr Hofer, was zeichnet die ersten IBA’27-Projekte aus?

28.08.2020
Bild: sven-w

Herr Hofer, was zeichnet die ersten IBA’27-Projekte aus?

„Mit der Auswahl der 13 ersten offiziellen Projekte wird die Geschichte erkennbar, die die IBA’27 erzählt. Der rote Faden ist die produktive Stadt mit dicht bebauten und lebendigen Quartieren, in denen vielfältige Wohnungstypen für alle Gesellschaftsschichten mit Flächen für emissionsarme Industrie und neue Arbeitsformen zusammenkommen. Angesichts des größten Umbruchs von Gesellschaft und Wirtschaft seit Generationen sowie der akuten Klimakrise haben die Träger der ausgewählten Projekte erkannt, dass sie neue Wege gehen müssen. Sie sind bereit, sich umfassend den sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen einer unsicheren Zukunft stellen. Damit verbunden ist der Anspruch, vorbildliche Planungsprozesse umzusetzen, die die Menschen vor Ort ebenso einbeziehen wie die internationale Kompetenz.

Ein Beispiel ist das Projekt ‚Quartier Neckarspinnerei‘ der HOS Projektentwicklung GmbH in Wendlingen. Aus dem großartigen historischen Gebäudebestand einer alten Textilfabrik könnte ein durchmischter städtischer Raum für die Menschen in Wendlingen werden. Die enge Verbindung von Arbeiten und Wohnen geht einher mit einer Öffnung des Areals für die Stadtgesellschaft und dem Zugang zum Neckar, die architektonisch anspruchsvolle Nachverdichtung bestehender Strukturen mit der Schaffung eines Quartiers mit null Klimaemissionen. Im Dialog zwischen Fachleuten, Unternehmern und den Menschen vor Ort könnte ein vorbildlicher produktiver und urbaner Ort entstehen, der die einzigartige Industriegeschichte in eine nachhaltige Zukunft fortschreibt.

Für einen offenen Planungsprozess, der das Wissen Vieler einbezieht, steht auch das ‚Postareal Böblingen‘ der Böblinger Baugesellschaft (BBG): Auf dem freiwerdenden Gelände direkt am Eingang zur Innenstadt soll gemeinschaftlich mit Verwaltung, Stadtgesellschaft und Fachleuten aus dem In- und Ausland ein neuartiger, hochverdichteter Stadtbaustein entwickelt werden. Wie dieser aussehen wird, ist im Moment noch völlig offen – das ist aber genau der Punkt. Mit einer Mischung aus internationalem und lokalem Know-how könnte hier etwas wirklich Neuartiges entstehen. Der gesamte Prozess von der Ideenentwicklung bis zur Inbetriebnahme ist ein Experiment, in das sich die Bürgerinnen von Anfang an aktiv einbringen können. Damit hat das prominent gelegene Postareal das Potenzial, bis 2027 zu einem beispielgebenden Statement der Böblinger Stadtgesellschaft zur Zukunft städtischer Zentren zu werden.“

Andreas Hofer ist Intendant der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27)

DER REGIONAUT IST NOCH IN DER LERNPHASE