die Frage: Was erzählen uns kulturelle Objekte aus aller Welt?

23.08.2019
Bild: Harald Völkl
„Die Sammlungen des Linden-Museums umfassen rund 160.000 Objekte. Darunter befinden sich sowohl Kulturgüter, wie Masken oder Trachten, die in Ritualen oder Zeremonien Verwendung fanden, Kunstwerke, auch zeitgenössische, als auch Alltags- und Gebrauchsgegenstände aus aller Welt. Sie zeugen auch von der mehr als hundertjährigen Geschichte des Linden-Museums, mit der wir uns kritisch und selbstreflexiv auseinandersetzen.

Die Provenienz- und die Objektforschung unserer Kuratoren und Kuratorinnen gehen Objektherkünften und ihren Wegen in unseren Sammlungen nach. Leider wurden, gerade während der Kolonialzeit, in vielen Fällen lediglich die Objekte, nicht jedoch ihre reichen Wissenskontexte, gesammelt. Wir versuchen nun diese Kontexte mit Hilfe von Archivmaterialien, Forschungsprojekten und insbesondere durch den Dialog mit Vertretern und Vertreterinnen aus den Herkunftsgesellschaften zu rekonstruieren und diese Geschichten in Ausstellungen zu vermitteln.

In den Ausstellungen stehen die Objekte als materielle Zeugen für verschiedene Weltanschauungen und die Selbstverortung der Menschen in unserer gemeinsamen Welt. Oftmals werden ethnologische Museen als Orte des kulturell Fremden charakterisiert. Eigentlich sind sie aber der Ort, an dem wir vieles über Gemeinsamkeiten lernen können. Der Mensch und seine Geschichten stehen bei uns im Mittelpunkt.

Seit vielen Jahren experimentieren wir in all unseren Projekten mit verschiedenen Formaten der Partizipation – nicht nur mit Vertretern und Vertreterinnen der Herkunftsgesellschaften, sondern auch mit der vielfältigen Stadtgesellschaft Stuttgarts. Es geht uns darum, die Deutungshoheit zu teilen, mehrere Sichtweisen und Geschichten zuzulassen und zu erzählen.

Seit Herbst 2018 werden wir von der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen der Initiative für ethnologische Sammlungen gefördert. Die Förderung ermöglicht uns, insbesondere verschiedene Wissenschaftlerinnen, Aktivisten und Vertreterinnen indigener Initiativen einzuladen, mit uns gemeinsam in sogenannten „LindenLabs“ neue Formate der Zusammenarbeit und Präsentationsformen zu finden. Wie sollte ein ethnologisches Museum der Zukunft aussehen? Welche Bedeutung haben die gesammelten Objekte für die heutige Gesellschaft? Diese und andere Fragen werden uns dabei auf dem Weg zum geplanten Neubau begleiten.“

Prof. Dr. Inés de Castro
Direktorin des Linden-Museums Stuttgart