Gutes Entertainment schafft Bindung, Begeisterung für Inhalte und im besten Falle auch Gesprächswert. Es steht nicht im Widerspruch zu Informations- und Wissensvermittlung, sondern sorgt dafür, dass relevante Inhalte ein breites Publikum erreichen. Auch neuere Studien, wie etwa die aktuelle SWR-Untersuchung „Bedürfnisse in der Mediennutzung“, zeigen deutlich, dass affektive Bedürfnisse, also Vergnügen, Entspannung oder Eskapismus über alle Plattformen hinweg für Nutzende eine wichtige Rolle spielen – je jünger diese sind, desto wichtiger.
Um diese Zielgruppen zu erreichen, beschäftigen wir uns deshalb mit anderen „entertainigeren” Erzählhaltungen. Das gelingt der ARD z.B. mit regionalen Docutainment-Serien wie „Feuer & Flamme“ oder „Die Nachtstreife“, aber auch mit sehr erfolgreichen Personality-Dokus wie „Being Franziska van Almsick“. Auch Dokumentationen dürfen entertainen, ohne dass sie dabei ihren inhaltlichen Kern verlieren. Sie erzählen emotional packender, sind näher an den Lebenswelten der Nutzenden – sie erzählen mit, nicht über die Protagonisten.
Gutes Entertainment überwindet die strikte Trennung von Genres und Erzählweisen, zwischen „U und E”. Jan Böhmermann verpackt investigative Stories in unterhaltsame Form, Joko und Klaas schaffen für 15 Minuten in der Pro7-Primetime Aufmerksamkeit für gesellschaftspolitische Themen, genauso wie wir in der ARD u.a. mit Carolin Kebekus und den Überraschungsaktionen #KINDERstören und #MeldDichMalWieder. Auch Factual-Entertainment-Serien wie „Down The Road” (SWR) oder „Herbstresidenz” (VOX) bieten einen unterhaltsamen Zugang zu vermeintlich schweren Themen wie Behinderung, Inklusion und Teilhabe. Dabei spielen auch Look and Feel der Produkte eine immer wichtigere Rolle, weil die Nutzenden durch Netflix und Co. hochwertig produzierte Inhalte gewohnt sind. Was zu akademisch und verkopft daherkommt, geht leicht unter und wird nicht wahrgenommen. Gutes Entertainment ist also nichts ohne gute Distribution. Denn ein Inhalt kann noch so überzeugend sein, wenn er nicht gefunden wird, nutzt dies wenig.
Gutes Entertainment macht keine Unterhaltung auf Kosten anderer. Formate dürfen anecken und müssen nicht jedem gefallen, aber sie dürfen sich nicht über die Protagonistinnen und Protagonisten lustig machen, sich über sie erheben. Sie nehmen die Menschen ernst und schaffen es trotzdem zu unterhalten, weil sie auf Spannung, auf Authentizität und Humor setzen. So kann es gutes Entertainment auch 2026 und darüber hinaus schaffen, über Plattformen und Ausspielwege hinweg echte Lagerfeuermomente zu kreieren und Menschen zu verbinden.
