die Frage: Was geschieht seit 30 Jahren in der Stuttgarter Jugendkultur?

16.07.2019
Bild: @ die arge lola / Kai Loges + Andreas Langen

„Der Begriff „Jugendkultur“ stört mich ein wenig. Er impliziert, dass bestimmte, dezidiert junge kulturelle Praktiken mit dem Erwachsenwerden wieder abgelegt werden. Aber das ist nicht der Fall, wie der Blick auf die bis heute lebendige und inzwischen staatstragende Protest- und Lebenskultur der 1968er zeigt. Ähnlich ist es auch mit den danach entstandenen jungen Kulturen wie der elektronischen Musik, dem Hip-Hop, dem Skateboarden und Graffiti. Diese haben Stuttgart geprägt und werden das weiterhin tun. Genau deshalb beschäftigt sich das StadtPalais – Museum für Stuttgart mit diesen Themen. Eine junge Kultur kann dabei mehr dominieren als die andere, so hat beispielsweise der Hip-Hop im Stuttgart der 1990er Jahre mehr Menschen begeistert als die elektronische Musik

Dabei sind beide Kulturen gleichermaßen identitätsstiftend für die Landeshauptstadt. In der Auseinandersetzung mit diesen Kulturen im StadtPalais begegnen viele der Besucherinnen und Besucher ihren eigenen Leidenschaften. Für alle, die zu alt oder zu jung für die eine oder andere junge Kultur sind, bietet sich die Möglichkeit, diese kennen zu lernen. Auf diese Weise möchte das StadtPalais Vorurteile abbauen und die verschiedenen Generationen mit ihren Lebenshorizonten miteinander ins Gespräch bringen.

Themen der Vergangenheit aber auch Trends der Gegenwart und Zukunft verschmelzen im StadtPalais zu innovativen Veranstaltungsformaten wie Stuttgart am Meer, Sound of Stuttgart oder Ausstellungen wie etwa über den legendären Club Rocker 33 oder die Ära des Hip-Hop-Kollektivs Kolchose.

Auch die Fantastischen Vier sind – nicht nur in Stuttgart – für ihre Fans zu Identifikationsfiguren geworden. Mit der Ausstellung „Troy – 30 Jahre die Fantastischen Vier“ feiert das StadtPalais ab dem 9.7.2019 ein Heimspiel der besonderen Art: Die Ausstellung macht die Verknüpfung zwischen den Fantastischen Vier und uns erlebbar. Wir werden für einen Moment selbst Teil der grellen Popwelt – und tauchen ein in die Videowelten von „Tag am Meer“, „Die da!?“ „MFG“ und „Sie ist weg“.“

Dr. Torben Giese
Direktor, StadtPalais – Museum für Stuttgart