Zu Gast bei: Agency Apéro

Wir besuchten für unseren aktuellen Rekorder 3/26 die Agency Apéro auf ihrer Neckarinsel in Stuttgart-Bad Cannstatt.

Zwischen vielbefahrenen Straßen, Schienen und einer Schleuse liegt sie fast unscheinbar im Neckar: die Neckarinsel, eine kleine Fläche inmitten des Flusses in Stuttgart-Bad Cannstatt. Viele Jahre blieb sie unbeachtet. Heute ist sie ein Raum, an dem erprobt wird, wie Stadt, Natur und Menschen am Fluss zusammenleben können.  

Auf der Insel empfangen uns Beatrice, Christine, Yannik und Tim. Die Vier erzählen uns, dass das von ihnen initiierte Inselprojekt aus der gemeinsamen Abschlussarbeit „Wir wollen baden“ im Studiengang Architektur an der Kunstakademie Stuttgart hervorging. Beatrice, Christine und Yannik setzten sich damals intensiv mit der Frage auseinander, warum der Neckar in der Stadtplanung eine untergeordnete Rolle spielte. Durch Gespräche mit verschiedenen Akteure*innen erkannten sie, wie komplex die Gestaltung von Räumen am Fluss ist. Grund dafür sind die zahlreichen Zuständigkeiten, unterschiedlichen Interessen sowie die komplexen Richtlinien und Planungsprozesse. Parallel engagierten sie sich bereits beim Projekt „Stadtlücken“ und suchten nach ungenutzten Orten in der Stadt. Dabei stieß Christine auf die Insel mitten im Neckar: „Gerade, weil die Insel ungenutzt war, bestand ein besonderer Freiraum – trotz aller Herausforderungen wie Schifffahrt oder Hochwasserschutz steckte hier unglaublich viel Potenzial.“ 

An der Vision einer belebten Neckarinsel hielt die Gruppe fest. Als neugegründete Agency Apéro setzten sie das Projekt mithilfe verschiedener Förderungen und Kooperationen in die Realität um. Statt direkt nach der großen Gesamtlösung zu suchen, starteten sie anfangs im Kleinen und verwirklichten ihre Vision für die Insel schrittweise.  

Die Neckarinsel versteht sich als offener Ort mit dem Ziel, Menschen an den Fluss zu bringen, Wissen über das Ökosystem Neckar zu vermitteln und „gemeinsam den Raum am Fluss zu nutzen“. Um das Projekt zu verstetigen, wurde der Neckarinsel e.V. gegründet. Heute befinden sich auf der Insel eine Terrasse mit einem ausgebauten Container sowie verschiedene Umweltprojekte, wie das selbstgebaute Neckarwasser-Aufbereitungssystem auf dem Dach des Containers. Die Insel ist bewusst als Experimentierraum angelegt: Projekte entstehen Schritt für Schritt, werden ausprobiert, weiterentwickelt und an äußere Gegebenheiten angepasst, anstatt sie von Beginn an durchzuplanen. Das bringt Herausforderungen mit sich – besonders in Zusammenarbeit mit der Stadtplanung, welche oft auf klare Strukturen und feste Ergebnisse ausgerichtet ist. 

Als Studio für koproduktive Flussgestaltung, wie sie sich selbst vorstellen, setzt die Agency Apero neben der Neckarinsel weitere Fluss-Projekte in der Region um. Das übergeordnete Ziel ist, einen Ort für den Austausch zwischen Bürger*innen, Verwaltung und der Stadtplanung zu schaffen und neue Perspektiven auf Fluss- und Stadtentwicklung zu eröffnen. 

Mit der Internationalen Bauausstellung 2027 wird das Vorhaben weiter an Sichtbarkeit gewinnen. Auf der Neckarinsel wird es zum Ausstellungsjahr 2027 einen Rundweg mit einer Ausstellung geben und so neue Perspektiven auf das Zusammenspiel von Stadt, Infrastruktur, Natur und Mensch eröffnen. Eine Endvision für die Insel und die Agency gibt es nicht und darin liegt die Stärke: Agency Apéro setzt auf Bewegung statt Stillstand. Sie möchten Ideen ausprobieren, Chancen nutzen und Projekte weiterentwickeln. Die Insel steht symbolisch dafür, dass kreative Orte entstehen können, auch wenn die Umsetzung Zeit benötigt und selten geradlinig verläuft. Gerade für junge Menschen, die Räume gestalten möchten, sei die Insel ein wichtiges Zeichen, sagt Yannik: „Findet Leute, die euch unterstützen!“. 

Mehr Informationen zu Agency Apéro findet ihr hier.